Unsere diesjährige Pilzexkursion fand am Sonntag, dem 26. Oktober statt. Diesmal ging es in den Blätzer Wald.
Sommer und Frühherbst waren ausgesprochen trocken – keine guten Bedingungen für die Fruchtkörperbildung von Pilzen. Aber in der ersten Oktoberdekade hatte es geregnet. Und da die Temperaturen gleichzeitig vergleichsweise angenehm waren, konnte man optimistisch sein, dass die Exkursion erfolgreich wird. Geplant war eine ca. 3,5 km lange fußläufige Suchrunde durch den Kiefernforst südlich von Blätz. Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes: Sturm und Regen waren angesagt. Trotzdem hatten sich am Treffpunkt 12 Pilzinteressierte eingefunden.
Und dann ging es auch gleich in den Kiefernbestand. Erste Pilzfunde wurden gemacht: schöne kleine Maronen (ideal für die Pfanne und zum Sauereinlegen), Kahle Kremplinge (wurden früher gegessen, gelten heute als giftig), braunhütige Milchlinge mit weißem Milchsaft (Hier gibt es zahlreiche Arten, die schwer zu unterscheiden sind, auch giftige.), Falsche Pfifferlinge (essbar, aber wertlos) und viele kleine Arten, die Exkursionsleiter Michael Wetzel nicht kannte.
Bei der Pilzsuche muss man nicht unbedingt weit in den Baumbestand. Nach Erfahrung von Michael Wetzel ist man am Waldrand oftmals erfolgreicher, da hier einerseits weniger gesucht wird. Andererseits fruchten Pilze oftmals vor verdichteten Stellen, wo die flächige Ausbreitung des unterirdischen Mycels gestört ist (z. B. Wegränder). Am Wegrand wurden gefunden: Violetter Rötelritterling und Butterpilz (beides gute Speisepilze), Narzissengelber Wulstling (giftig) und ein grauhütiger kleiner Ritterling (Erdritterling?). Auch mehrere Echte Reizker standen hier. Der Pilz hat orangen Milchsaft, der bei Berührung der Lamellen austritt, und ist ein guter Speisepilz.
Und dann waren da verschiedene Täublingsarten. Die haben alle brüchige Lamellen und sind teils essbar, teils giftig/ungeniesbar. Man sagt, dass mild schmeckende Arten gegessen werden können. An einem rothütigen Täubling wurde der Geschackstest gemacht. Die beiden Verkoster verspürten einen nachhaltigen scharfen Geschmack und spuckten den Probebissen sofort wieder aus. Der Pilz war ein Kirschroter Speitäubling und machte seinem Namen alle Ehre. Im Zweifelsfall sollte man von Täublingen die Finger lassen.
Zwischenzeitlich hatte es angefangen zu regnen. Das hielt zunächst niemanden ab, weiter zu suchen. Langsam füllten sich die Pilzkörbe, vorwiegend mit Maronen. Aber auch eine kleine Krause Glucke, einige Kuhpilze und ein Rotfußröhrling wurden gefunden.
An einem Baumstubben standen Grünblättrige Schwefelköpfe (ungenießbar/giftig) und an einer abgestorbenen Birke wuchsen Birkenporlinge (Fruchtkörper stehen immer waagerecht). Es gab die Frage, warum kein Hallimasch (gefürchteter Forstschädling) gefunden wird. Michael Wetzel erklärte, dass Hallimasch vorwiegend auf geschwächten Laubhölzern fruchtet. Davon sind im Suchgebiet nur ganz wenige zu finden.
Etwa bei der Hälfte der geplanten Suchrunde wurde der Regen stärker. Aber noch wollte niemand aufgeben.
An neuen Pilzarten kamen noch Wulstlinge dazu: Der Weiße und der Gelbe Knollenblätterpilz, der Pantherpilz und der Fliegenpilz. Alle haben unten eine Knolle und sind giftig.
Michael Wetzel erzählte die Legende von der halluzinogenen Wirkung von in Maßen genossenen Fliegenpilzen bei den Wikingern zur Steigerung der Kampfeswut. Ob das wahr ist, ist nicht bewiesen. Es wird jedoch dringend davon abgeraten, Selbstversuche durchzuführen.
Dann wurde der Regen noch stärker und fiel in Sturmböen. Die Brillenträger hatten Sichtprobleme. Es wurde beschlossen, jetzt abzubrechen und quer durch den Bestand zum Ausgangspunkt zurückzukehren.
Dabei wurden noch gefunden: Flockenstieliger Hexenpilz (leider schon abgeschnitten), ein Flaschenbovist (essbar, wenn das Innere noch weiß und fest ist) und mehrere Wollige Milchlinge (scharfer weißer Milchsaft). Letztere bilden ihre Fruchtkörper im Boden und schieben sie dann noch oben. Deshalb heißt der Pilz auch Erdschieber.

Am Ende standen 23 Pilzarten/Sippen auf dem Zettel (weniger als in den Vorjahren). Alle waren klitschnass. Aber die Pilzkörbe waren ausreichend gefüllt.
gez. Michael Wetzel
Und hier ist der Exkursionsbericht zum Ausdrucken: