11.06.2023 Exkursion Schiefe Halbe

Unsere Frühsommerexkursion führte uns am 11. Juni mal wieder auf die „Schiefe Halbe“, nördlich Schwanefeld. Der südexponierte Kalktrockenhang drohte in Teilen vollständig zu verbuschen. Durch Pflegemaßnahmen wurden die aufkommenden Gehölze in den letzten Jahren mehrfach auf Teilflächen beseitigt. Es hat den Anschein, dass die gewünschte krautige Flora dadurch gefördert wird. Insbesondere scheinen sich die Vorkommen zweier Orchideenarten: Purpurknabenkraut (Orchis purpurea, Op) und Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula, Om) stabilisiert zu haben. Die beiden Orchideen sollten Mitte Juni weitgehend abgeblüht sein, aber bei vielen charakteristischen Arten beginnt jetzt erst die Vollblüte. Welche das sind und was sonst so kreucht und fleucht, das sollte auf der Exkursion vorgestellt werden.

Leider fand sich am vereinbarten Treffpunkt (Friedhof) kein Interessierter ein, so dass Exkursionsleiter Michael Wetzel die Begehung allein vornahm.

 

Zunächst ging es den recht steilen Hohlweg Richtung Buchberg hinauf. Links am Wegrand fiel ein mittelblau blühendes Kraut auf: Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium, Vt). Im Gegensatz zu dem hier auch wachsenden und ebenfalls mittelblau blühenden Gamanderehrenpreis (Veronica chamaedrys, Vc) sind die Blütenstände recht lang gestielt und stehen über den Pflanzen. Der Große Ehrenpreis ist kalkliebend und recht selten.

Auf der Schiefe Halbe-Pflegefläche wurde erst einmal das flächige Vorkommen des Purpurknabenkrauts (Orchis purpurea, Op) an der südöstlichen Hangspitze begutachtet. Wie erwartet wurden zahlreiche Fruchtstände gefunden. Bei der im Mai durchgeführten Begehung hatte Michael Wetzel hier 320 blühende Exemplare gezählt.

Fruchtstände des Purpurknabenkrauts (Op 207); Foto: Michael Wetzel
Fruchtstände des Purpurknabenkrauts (Op 207); Foto: Michael Wetzel

Insgesamt war der Hang vergleichsweise blütenarm. Die großen Trockenrasenblühkräuter, die im Mai auffielen, waren jetzt verblüht: z. B. Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare, Lv) und Wiesensalbei (Salvia pratensis, Sp). Unsere Trockenrasen sind um diese Jahreszeit weitgehend gräserdominiert. Man musste schon genau hinschauen, um etwas neues Blühendes zu entdecken.

Bei der Absuche der mittleren Hangfläche wurde dann ein gerade etwa 10 cm hoher Blütenstand mit wunderschönen Einzelblüten entdeckt: Bienenragwurz (Ophrys apifera, Oa). Diese kleine Orchidee, die ausschließlich in Kalktrockenrasen und -gehölzsäumen vorkommt, scheint sich in Ausbreitung zu befinden (eine Folge der Klimaveränderung?). Ihre Blütenlippe sieht dem Hinterleib einer Biene ziemlich ähnlich (daher der deutsche Name). Laut Literatur hat das aber nichts mit der Bestäubung zu tun. Im weiteren Verlauf wurden acht weitere Fundorte entdeckt. Michael Wetzel ist sich sicher, dass er nicht alle Einzelfundorte gefunden hat.

An der Südkante des mittleren Hangs wurde eine bei uns seltene Pflanze wärmeliebender anspruchsvollen Wälder und Gebüsche entdeckt: Ebensträußige Margerite (Tanacetum corymbosum, Tc). Ihr Blütenstand gleicht einer großen Kamille. Ein weiterer Fundort befindet sich an der nordwestlichen Hangoberkante. Dort, sowie jeweils im westlichen Mittel- und Unterhang wurden Exemplare des Großen Ehrenpreis (Vt) gefunden.

Im etwas schmaleren Mittelhangbereich wurde ein kleinflächiges Vorkommen des Sichel-Hasenohrs (Bupleurum falcatum; Bf) entdeckt. Auch das Sichel-Hasenohr wächst bevorzugt in kalkreichen Säumen.

Im westlichen Unterhang gibt es einen offenbar nährstoffreicheren Bereich mit ziemlich hohem Kraut- und Gehölzstockausschlagaufwuchs, u. a. Feldbrombeere. Im Frühjahr gab es hier reichlich ungeliebtes Greiskraut (Senecio spec.). Möglicherweise war dort in der Vergangenheit mal ein Lagerplatz.

Im mittleren Oberhangbereich befindet sich eine Fläche, auf der im Frühjahr 2021 zur Erhöhung des Blütenanteiis gebietsheimisches Saatgut standortgerechter Kräuterarten ausgebracht wurde. Es hat den Anschein, dass einige dieser Arten tatsächlich aufgewachsen und im Vergleich zum restlichen Hang zahlreicher vertreten sind: Wundklee (Anthyllis vulneraria, Av), Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare, Lv), Aufrechter Ziest (Stachys recta, Sr).

Im Vorjahr hatte ein Orchideenfreund über einen Fund der Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum, Hh) auf der Schiefen Halbe berichtet. Der Blütenstand dieser Orchidee ist bei Vollblüte ziemlich beeindruckend: Geruch nach Ziegenbock; viele Einzelblüten mit jeweils langen gedrehten dreiteiligen Lippen. Bei der Nachsuche am angegebenen Standort wurde tatsächlich etwas gefunden. Allerdings war der gefundene Blütenstand ziemlich vertrocknet. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr mehr zu bestaunen.

 

Die Schiefe Halbe gehört zur Muschelkalk-Bruchkante der Weferlingen-Schönebecker Triasplatte. Die dortigen Trockenrasen halten zu jeder Jahreszeit botanische Besonderheiten bereit. Michael Wetzel nahm sich vor, später noch einmal auf der Schiefen Halbe vorbeizuschauen, denn auch im Herbst verspricht die Schiefe Halbe einige Hingucker.

Und hier ist der Exkursionsbericht zum Ausdrucken:

Download
Bericht Exkursion 11.06.2023 Schiefe Halbe
2024_01_27we Bericht Exkursion 2023_06_1
Adobe Acrobat Dokument 7.7 MB