21.05.2018 Exkursion Hägebachaue nördlich Samswegen

 

 

Die jüngste NABU-Exkursion am 21. Mai führte mal wieder in die Hägebachaue nördlich von Samswegen. Zunächst erklärte Exkursionsleiter Jörg Brämer den 17 Teilnehmern das Exkursionsgebiet. Der Bereich ist ein Niedermoorgebiet, das durch den Hägebach, Erlenbruchwaldreste und naturnahes Grünland geprägt wird. Früher wurde hier auch Torf abgebaut. Infolge sind zwei stehende Gewässer verblieben. Um die weitere Zerstörung des Niedermoors zu verhindern, wurde das Gebiet 1978 teilweise unter Flächennaturschutz gestellt. Es wurden drei Flächennaturdenkmäler (FND) ausgewiesen. Da das aber für den langfristigen Bestandsschutz und die Wiederherstellung größerer Auenbereiche nicht ausreicht, wird in einem seit 1991 laufenden Flurneuordnungsverfahren unter der Federführung des Landkreises versucht, Flächen zu kaufen und zusammenzuführen. Der NABU Barleben wirkt hier tatkräftig mit. Wiederholte Pflegeeinsätze und das vor wenigen Jahren begonnene Ganzjahresbeweidungsprojekt mit Heckrindern scheinen sich zu bewähren. Noch nicht endgültig geklärt ist der Umgang mit den sich ständig erneuernden Erlen entlang der Stichgräben. Deutlich wird aber schon jetzt, dass sich flächige Erlenbestände und bunt blühende Wiesen ausschließen. 

Dann ging es in die Wiesenfläche. Zunächst wurde der Fieberklee gezeigt. Vor einer Woche wurden hier erstmals zwei Blütenstände entdeckt. Leider waren jetzt nur noch die Fruchtstände zu sehen. Mitte April gibt es in der Wiese auch Schachbrettblumen zu bestaunen. Ob sie hier schon immer waren, oder eingebracht wurden, ist nicht bekannt. Auch von den Schachbrettblumen war nichts zu finden. Zu finden waren aber ca. 100 blühende Orchideen: Breitblättriges Knabenkraut. Diese typische Nasswiesenorchidee gehört in Sachsen-Anhalt zu den sogenannten Verantwortungsarten. Ihre Bestände sind stark rückläufig. Wiederholte gestaffelte Wiesenmahd ist nachgewiesen eine geeignete Bewirtschaftungs(=Pflege)methode. Aber wer hat heute noch nasswiesengeeignete Kleintechnik? Eine Alternative könnte die Ganzjahresbeweidung mit einem geringen Tierbesatz (um 0,5 Tiere pro Hektar) sein. Das begonnene Projekt (derzeit 12 Tiere auf 17 Hektar) stimmt bislang optimistisch.

Ursprünglich war zur Wiesenvernässung die Errichtung von mehreren Sohlgleiten im Hägebach vorgesehen. Diese Arbeit hat der Biber übernommen. Einer der drei errichteten Dämme wurde besichtigt. Es gibt hier sichtbare Schäden an den Bäumen oberhalb des Damms. Aber so ist die Natur. Und da das Projektgebiet ausreichend groß ist und bislang keine Auswirkungen auf angrenzende Intensivnutzflächen beobachtet wurden, kann man den Biber hier wirken lassen. Die absterbenden Bäume geben Raum für Neues und mehr Vielfalt.

Natürlich wurden auch die Heckrinder (sehr scheu, aber auch neugierig) besichtigt, aus sicherer Entfernung. Der Umgang mit diesen „wilden Haustieren“ ist problematisch und auch nicht ganz ungefährlich. Interessierte sollten die elektrogezäunte Fläche keinesfalls betreten.

 

Abschließend ging es noch auf die unmittelbar östlich angrenzende Düne. Sie ist ein Extremlebensraum und unbedingt zu erhalten. Der Kiefernaufwuchs macht da doch zunehmend Sorgen. Hier lebt unter anderen der Ameisenlöwe (Larve der Ameisenjungfer; Fluginsekt). Mit vergleichsweise mächtigen Fangzangen macht er in Sandtrichtern aus dem Untergrund Beute.

Im Projektgebiet laufen regelmäßig Bestandserfassungen, insbesondere von Insekten. Man darf gespannt sein, wie sich Fauna und Flora in den nächsten Jahren entwickeln.