21.05.2017 Exkursion Schiefe Halbe Schwanefeld

Regelmäßig einmal im Jahr führen wir eine Orchideenexkursion durch. Dieses Jahr ging es am 21. Mai nach Schwanefeld. Am Nordrand des Allertals, oberhalb der Straße Schwanefeld – Walbeck, befindet sich die Schiefe Halbe: ein stark verbuschter, südexponierter Hang. Er ist Teil der von Weferlingen bis in die Börde reichenden Muschelkalkkette und mit charakteristischer Trockenrasenvegetation bestanden. Bekannt ist das Vorkommen des Stattlichen Knabenkrauts (Orchis mascula).

Purpurknabenkraut; Foto: Michael Wetzel
Purpurknabenkraut; Foto: Michael Wetzel

Vom Parkplatz am Friedhof aus ging es hinauf zur oberen Hangkante. Zunächst fiel eine typische Trockenrasenpflanze ins Auge: der blaublühende Wiesensalbei. Am Wegrand wurde durch Exkursionsleiter Michael Wetzel auf verschiedene andere Pflanzenarten hingewiesen: u. a. Feldahorn und Hartriegel (beides typische Gehölze), Knoblauchsrauke und Pfeilkresse (beides Kohlverwandte), Hornkraut (Nelkengewächs mit kreuzgegenständigen Blättern) und Rapunzel (typisches Kalkunkraut). 

 

Am oberen Hangrand angekommen wurde zunächst der wunderschöne Blick auf Schwanefeld und in das Allertal genossen. Dann ging es in die Fläche. Auffällig war, dass relativ wenige Blumen blühten. Neben dem Wiesensalbei fielen nur auf: Kleines Habichtskraut (hellgelb), Kreuzblümchen (wahrscheinlich Schopfiges, helllila). Näher hingesehen waren aber durchaus noch andere Kräuter vorhanden: Stängellose Kratzdistel (Rosetten), Gemeiner Thymian (Polster), Scabiosenflockenblume (Rosetten und vorjährige Blütenstände), Golddistel (vorjährige Blütenstände). Für einen bunten Trockenrasen war es einfach noch zu früh.

Wiesensalbei im Trockenrasen-Hang; Foto: Michael Wetzel
Wiesensalbei im Trockenrasen-Hang; Foto: Michael Wetzel
Feldrain oberhalb des Schiefe Halbe-Hanges; Foto: Michael Wetzel
Feldrain oberhalb des Schiefe Halbe-Hanges; Foto: Michael Wetzel

Aber eigentlich wollten wir ja Orchideen finden. Und die haben wir auch gefunden: ca. 70 blühende, prächtige Exemplare des Purpurknabenkrauts (Orchis purpurea) auf drei Teilflächen. Ein derartig großes Vorkommen war uns aus dem Kreis bislang nicht bekannt. Die fünf Exkursionsteilnehmer schossen natürlich zahlreiche Belegfotos. Das Stattliche Knabenkraut wurde dagegen nicht gefunden (Einige abgeblühte Blütenstände waren nicht bestimmbar.).

  

Hier und da führten die durch das Wild vorgetretenen Wechselpfade für uns in eine Sackgasse. Die Schiefe Halbe verbuscht offenbar zunehmend (vorwiegend Schlehe und Weißdorn). Für das Purpurknabenkraut ist ein halbschattiger Standort am Gebüschrand sicher günstig. Für die meisten Trockenrasenarten ist die Verbuschung jedoch kritisch zu sehen. Entbuschungs-Pflegeeinsätze sind geboten. Denkbar wäre auch eine Streuobstnutzung (vereinzelte Obstbäume und sogar Weinreben wurden gefunden). Aber wer käme als Nutzer in Frage?